Es ist eine Geschäftsbeziehung, die in jeder anderen Stadt Deutschlands sofort Fragen aufwerfen würde. In Wolfratshausen scheint sie niemanden zu stören — außer diese Zeitung.

Die Fakten: Die Kfz-Werkstatt „Ich mach alles", betrieben von dem Unternehmer Yazid (vollständiger Name der Redaktion nicht bekannt), ist die Stammwerkstatt des Polizeireviers Wolfratshausen. Wagen 3, der einzige Streifenwagen der Dienststelle, wird dort regelmäßig repariert. Gleichzeitig — und hier wird es interessant — sind die geschäftlichen Aktivitäten des Werkstattinhabers selbst immer wieder Gegenstand polizeilicher Aufmerksamkeit.

Zur Erinnerung: Yazids erster Geschäftszweig, ein mobiler Imbisswagen, „brannte ab" — unter Umständen, die Versicherungsexperten mindestens als „bemerkenswert" einstufen würden. Aus der Versicherungssumme finanzierte er die Werkstatt. Eine Werkstatt, die „alles macht" — eine Formulierung, über deren Tragweite man durchaus nachdenken kann.

Dann übernahm er die Bäckerei Rattlinger. Dieselbe Bäckerei, in der nur wenige Jahre zuvor — noch unter dem vorherigen Besitzer — ein menschlicher Finger in einem Brotlaib gefunden wurde. Ein Finger. Im Brot. Der Fall schlug damals Wellen bis nach München und beschäftigte das Gesundheitsamt wochenlang. Hubert und der damals noch im Dienst befindliche Staller ermittelten. Der Finger konnte schließlich zugeordnet werden — die Hintergründe waren so grotesk, dass diese Zeitung sie seinerzeit auf einer ganzen Seite dokumentierte.

Und nun betreibt Yazid diese Bäckerei. Derselbe Mann, der auch den Streifenwagen repariert. Derselbe Mann, der regelmäßig von den Beamten überprüft wird, die auf seine Dienste angewiesen sind. Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um hier ein Muster zu erkennen.

Denn ebendieser Mann repariert den Streifenwagen. Kennt also die Schwachstellen des Fahrzeugs. Weiß, wann die Polizei mobil ist und wann nicht. Hat regelmäßig Zugang zum Dienstfahrzeug. Wird gleichzeitig von denselben Beamten „überwacht", die auf seine Dienste angewiesen sind.

Auf die Frage, ob hier ein Interessenkonflikt vorliege, antwortete Polizeirätin Kaiser: „Die Vergabe von Reparaturaufträgen erfolgt nach wirtschaftlichen Gesichtspunkten." Übersetzt: Yazid ist billig. Ob „billig" das richtige Kriterium ist, wenn es um die Einsatzfähigkeit der Polizei geht, sei dahingestellt.

Girwidz verteidigte die Geschäftsbeziehung überraschend energisch: „Der Yazid macht das gut. Und günstig. Und schnell. Meistens." Er verstummte, als die Reporterin ihn fragte, ob er von Yazid persönliche Vergünstigungen erhalte. „Kein Kommentar", sagte er — und klang dabei sehr nach Hubert.

Hubert selbst wurde auf die Finger-im-Brot-Affäre angesprochen und ob er es für vertretbar halte, dass die Polizei weiterhin Geschäfte mit dem Nachfolgebetrieb mache. Seine Antwort: „Die Brezen sind in Ordnung." Ein Mann der klaren Worte.

Diese Zeitung wird die Geschäftsbeziehung zwischen Polizeirevier und Werkstatt weiter beobachten. Hinweise von Bürgerinnen und Bürgern sind willkommen.