Wolfratshausen — Wer in dieser Stadt den Namen Yazid hört, der weiß drei Dinge: Es wird interessant. Es wird kreativ. Und es wird mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit irgendwann Gegenstand polizeilicher Aufmerksamkeit sein.

Der Inhaber der Kfz-Werkstatt „Ich mach alles" und seit dem vergangenen Herbst auch der Bäckerei Rattlinger hat am Montag seinen neuesten Geschäftszweig angekündigt: einen mobilen Lieferservice mit dem vorläufigen Arbeitstitel „Yazid bringt's". Das Konzept, so erklärte der Unternehmer in einem kurzen Pressegespräch vor seiner Werkstatt, sei „ganz einfach". Die Leute brauchten etwas, er bringe es. Brötchen, Ersatzteile, was auch immer. Alles aus einer Hand.

Auf die naheliegende Frage, wie er die Lebensmittelhygiene bei gleichzeitigem Transport von Kfz-Teilen gewährleisten wolle, winkte Yazid ab. „Ich hab verschiedene Taschen", erklärte er mit jenem Lächeln, das Polizeiobermeister Hubert einmal als „das Lächeln eines Mannes, der immer einen Plan B hat — und meistens auch einen Plan C, D und E" beschrieben hat.

Nicht alle Wolfratshauser teilen Yazids Optimismus. Stammkundin Elfriede Huber (78) erinnert sich noch lebhaft an die sogenannte „Glücksbreze"-Affäre, die kurz nach Yazids Übernahme der Bäckerei für Aufsehen sorgte. Yazid hatte damals eine Sonderaktion gestartet: In einer von hundert Brezen versteckte er einen kleinen Glücksbringer aus Plastik — „wie beim Dreikönigskuchen, nur bayerisch", wie er erklärte. Die Aktion endete abrupt, als eine Kundin beinahe an dem Plastikteilchen erstickte und das Gesundheitsamt einschritt. Yazid sah kein Verschulden seinerseits: „Man muss halt kauen, bevor man schluckt. Das ist Eigenverantwortung."

Im Polizeirevier nahm man die Nachricht vom Lieferservice mit der Gelassenheit auf, die jahrelange Erfahrung mit den geschäftlichen Aktivitäten des Betreffenden mit sich bringt. Polizeirätin Kaiser ließ ausrichten, man unterstütze selbstverständlich jeden Gewerbetreibenden in seiner unternehmerischen Freiheit, solange alle geltenden Vorschriften eingehalten würden. Girwidz formulierte es, wie so oft, etwas direkter: „Der Yazid — wenn der morgen eine Raumstation eröffnet, wundert mich das auch nicht mehr."

Hubert, der sich in der Werkstatt gerade die Rechnung für die jüngste Reparatur von Wagen 3 erläutern ließ — ein Vorgang, der erfahrungsgemäß einige Geduld erfordert —, kommentierte die neue Geschäftsidee mit einem knappen „Hm". Kenner seiner Kommunikation wissen: Bei Hubert kann ein „Hm" vieles bedeuten, aber selten etwas Gutes für den Betreffenden.

Riedl hingegen zeigte sich begeistert. „Wenn er auch Fahrradschläuche liefert, wäre ich sofort Kunde", erklärte der Polizeimeister, der bekanntlich häufig auf das Dienstfahrrad angewiesen ist und mit dessen Bereifung ein andauerndes Zerwürfnis pflegt.

Der Lieferservice soll laut Yazid „bald" starten. Was genau unter „bald" zu verstehen sei, ließ er bewusst offen. „Geschäfte brauchen Zeit", philosophierte er. „Rom wurde auch nicht an einem Tag erbaut." Eine Formulierung, die im Revier bei jenen, die sich noch an den nach Rom ausgewanderten Kollegen Staller erinnern, eine kurze, nachdenkliche Pause auslöste.

Die Werkstatt „Ich mach alles" befindet sich in der Loisachstraße. Aktuelle Öffnungszeiten laut Inhaber: „Immer, außer wenn ich nicht da bin."