Wolfratshausen — Es ist ein Bild, das die Wolfratshauser so gut kennen wie den Kirchturm von St. Andreas: Polizeimeister Martin Riedl auf dem Dienstfahrrad, den Helm leicht schief, die Hosenbeine sorgfältig in die Socken gesteckt, mit einer Mischung aus Pflichtbewusstsein und stiller Resignation im Blick.
Am Dienstagmorgen war es wieder soweit. Wagen 3, der Audi 80 B4 mit dem ebenso charakteristischen wie besorgniserregenden Motorgeräusch, verweigerte gegen 7:45 Uhr auf der Sauerlacher Straße den Dienst. „Er hat einfach aufgehört", berichtete Polizeiobermeister Franz Hubert später am Vormittag. „Kein Vorwarnung, kein Husten, einfach — Stille." Sein Blick, den Stammleser dieser Zeitung als den typischen Hubert-Blick kennen, ließ wenig Raum für Optimismus.
Die Bergung übernahm, wie in solchen Fällen üblich, die Werkstatt „Ich mach alles" in der Loisachstraße, deren Inhaber Yazid mit bemerkenswerter Geschwindigkeit vor Ort erschien. „Ich hab das schon im Gefühl gehabt heute Morgen", erklärte der Unternehmer und versprach eine „schnelle und preisgünstige Reparatur." Hubert quittierte das Versprechen kommentarlos, was unter den gegebenen Umständen als deutliche Stellungnahme zu werten ist.
Polizeirätin Sabine Kaiser, die Leiterin des Reviers, ordnete unterdessen an, dass der Dienstbetrieb „selbstverständlich aufrechterhalten" werde. In der Praxis bedeutete dies, was es immer bedeutet, wenn Wagen 3 ausfällt: Riedl fährt Fahrrad. Hubert und Girwidz nehmen notgedrungen Girwidz' Privatwagen, ein Arrangement, das letzterer als „absolut untragbar für einen Mann meiner Dienstjahre und meiner Position" bezeichnete — eine Formulierung, die insofern bemerkenswert ist, als Girwidz seit seiner Degradierung zum Polizeiobermeister dieselbe Position wie Hubert bekleidet.
Es ist bereits der vierte Werkstattaufenthalt von Wagen 3 in diesem Jahr. Die Frage, ob eine Neuanschaffung in Erwägung gezogen werde, beantwortete Polizeirätin Kaiser mit dem Hinweis auf „laufende Haushaltsgespräche" und der Bitte um Verständnis, sich zu Details derzeit nicht äußern zu können. Girwidz hingegen wurde deutlicher. „Wenn ich Dienststellenleiter wäre", sagte er, und machte dann eine Pause, die länger dauerte als nötig, „und ich sage wenn — hätte dieses Revier längst einen vernünftigen Streifenwagen. Einen BMW, mindestens."
Riedl, der gegen 8:30 Uhr seine erste Streifenfahrt per Fahrrad antrat, wurde auf der Bahnhofstraße von einem Passanten gefragt, ob er sich auf einen Triathlon vorbereite. Er antwortete nicht, trat aber merklich fester in die Pedale.
Die Reparatur von Wagen 3 soll laut Yazid „spätestens Donnerstag, vielleicht Freitag, auf jeden Fall nächste Woche" abgeschlossen sein. Die Redaktion wird berichten.