Es gibt Orte in diesem Landkreis, an denen man sich sicher fühlt. Orte, an denen das Geld die Mauern hoch und die Probleme fern hält. Orte mit Zugangskontrolle, Dresscode und einem Parkplatz voller SUVs, deren Leasing-Raten mehr kosten als Girwidz' Monatsgehalt. Der Golfclub Starnberger Land war so ein Ort.

War.

Am vergangenen Mittwoch wurde auf dem sechsten Loch — einem Par 4, leichter Dogleg nach rechts, von den Mitgliedern als „anspruchsvoll, aber fair" beschrieben — der 58-jährige Münchner Unternehmer Viktor Brenninger tot aufgefunden. Nicht an einem Herzinfarkt verstorben, nicht an einem verirrten Golfball getroffen. Ermordet. Die näheren Umstände werden von der Polizei unter Verschluss gehalten. Aus dem Umfeld der Ermittlungen verlautet, dass die Todesursache „mit dem Inventar des Golfplatzes in Zusammenhang steht." Mehr war nicht zu erfahren. Die Fantasie darf sich den Rest ausmalen.

Gefunden wurde die Leiche von einem Greenkeeper, der gegen 6:30 Uhr seine Morgenrunde drehte. „Ich hab gedacht, der schläft", berichtete der Mann dieser Zeitung. „Die schlafen manchmal ein, die Herrschaften, wenn sie am Abend vorher zu lang im Clubhaus waren." Diesmal schlief niemand.

Polizeiobermeister Franz Hubert und sein Partner Reimund Girwidz trafen gegen 7:15 Uhr ein — was für Wolfratshauser Verhältnisse als „zügig" gelten darf, zumal Wagen 3 an diesem Morgen ausnahmsweise funktionierte. Girwidz, der noch nie einen Golfplatz betreten hatte und dies nach Aussage von Augenzeugen auch deutlich ausstrahlte, soll als erstes gefragt haben: „Was kostet hier die Mitgliedschaft?" Hubert ignorierte die Frage und begann die Spurensicherung.

Die Ermittlungen führten Hubert und Girwidz in eine Welt, die dem Wolfratshauser Revier normalerweise verschlossen bleibt: Die Welt der Golfclub-Mitglieder, der Münchner Unternehmer und Anwälte, der Starnberger-See-Villenbesitzer. Eine Welt, in der jeder jeden kennt, aber niemand etwas gesehen hat. In der die Worte „mein Anwalt" fallen, bevor die Polizei den zweiten Satz beendet hat.

Girwidz, der bei Vernehmungen sonst gerne die Initiative ergreift, wurde von Hubert nach der dritten Befragung „zur Peripherie-Sicherung" abgestellt — nachdem er einem Verdächtigen gesagt hatte, dessen Poloshirt sei „ein bisserl protzig für jemanden, der unter Mordverdacht steht." Diplomatisch war das nicht. Falsch allerdings auch nicht.

Der Fall offenbarte, was hinter den akkurat gestutzten Hecken des Golfclubs brodelte: Geschäftsstreitigkeiten, private Feindschaften, eine Dreiecksbeziehung, die mindestens ein Viereck war, und ein Erbstreit, der sich über drei Generationen erstreckte. Wolfratshausens „feine Gesellschaft" zeigte sich von ihrer hässlichsten Seite.

Hubert löste den Fall — wie immer mit einer Mischung aus Intuition, Geduld und der Fähigkeit, Menschen so lange schweigend anzustarren, bis sie von selbst zu reden beginnen. Die Festnahme erfolgte diskret. Der Täter — ein Clubmitglied, dessen Name aus rechtlichen Gründen nicht genannt wird — soll bei der Festnahme gesagt haben: „Kann ich wenigstens noch meine Runde zu Ende spielen?"

Der Golfclub hat die Vorfälle in einer Pressemitteilung als „tragischen Einzelfall" bezeichnet und betont, dass „die Sicherheit unserer Mitglieder höchste Priorität" habe. Das sechste Loch wurde vorübergehend gesperrt und soll nach einer „pietätvollen Neugestaltung des Grüns" wiedereröffnet werden.

Girwidz hat übrigens keinen Mitgliedsantrag gestellt. „Zu teuer", sagte er. „Und außerdem: Wer spielt schon Golf, wenn man Currywurst essen kann?"

Barbara Hansen ist Redakteurin beim Wolfratshauser Kurier. Golf spielt sie nicht. Hinweise an die Redaktion werden vertraulich behandelt.