Es war eine Floßfahrt ohne Wiederkehr. Und die Polizei Wolfratshausen? Die kam zu spät. Wieder einmal.
Was sich am vergangenen Samstag auf der Isar zwischen Wolfratshausen und dem Ickinger Wehr abspielte, verschlägt selbst dieser abgehärteten Journalistin die Sprache. Eine Gesellschaft — Teilnehmer einer privat organisierten Floßfahrt auf der Isar — alarmierte gegen 14 Uhr die Polizei. Ein Mitfahrer war vom Floß ins Wasser gestürzt und nicht wieder aufgetaucht. Panik auf dem Floß. Hilferufe. Notruf.
Und dann? Nichts. Vierzig Minuten lang nichts.
Denn Wagen 3, der einzige Streifenwagen der Polizeiinspektion Wolfratshausen — ein Audi 80 B4, Baujahr 1994, ein Fahrzeug, das älter ist als mancher Polizeischüler —, war exakt in dem Moment auf der Geretsrieder Straße liegen geblieben, als der Notruf einging. Motorschaden. Wieder einmal. Zum vierten Mal in diesem Jahr.
Polizeiobermeister Hubert und sein Kollege Girwidz standen also am Straßenrand und warteten auf den Abschleppwagen, während auf der Isar ein Mensch vermisst wurde. Riedl — Polizeimeister Martin Riedl, der tapfere Mann mit dem Dienstfahrrad — wurde losgeschickt. Auf dem Fahrrad. Zur Isar. Über Feldwege. Mit Helm und Warnweste. Während ein Mensch im Wasser verschwunden war.
Lassen Sie sich das auf der Zunge zergehen: Im Jahr 2026, in einer Stadt mit über 18.000 Einwohnern, in einem Landkreis, in dem Floßfahrten auf der Isar zum festen Freizeitprogramm gehören, reagiert die Polizei auf einen Notfall mit einem Fahrrad.
Der Vermisste wurde schließlich — man möchte fast sagen: trotz der Polizei — von der Wasserwacht Bad Tölz geborgen. Lebendig. Er hatte sich an einem Brückenpfeiler festgeklammert. Unterkühlt, verängstigt, aber am Leben. Kein Verdienst der Wolfratshauser Polizei, die zu diesem Zeitpunkt noch nicht einmal vor Ort war.
Polizeirätin Kaiser sprach anschließend von einer „bedauerlichen zeitlichen Verzögerung aufgrund eines technischen Defekts am Dienstfahrzeug." Eine Formulierung, die in ihrer bürokratischen Eleganz fast schon bewundernswert wäre, wenn sie nicht so zynisch wäre. Ein Mensch wäre beinahe ertrunken. Die Polizei hatte ein kaputtes Auto. Das ist kein „technischer Defekt" — das ist institutionelles Versagen.
Und wer repariert das Auto? Ausgerechnet Yazid. Der Mann, dessen geschäftliche Aktivitäten selbst regelmäßig Gegenstand polizeilicher Ermittlungen sind. Der Mann, der gleichzeitig Werkstatt, Bäckerei und neuerdings auch einen Lieferservice betreibt. Der Mann, in dessen wirtschaftlichem Interesse es liegt, dass Wagen 3 möglichst oft kaputt geht. Aber das ist eine andere Geschichte — die diese Zeitung bereits erzählt hat und weiter erzählen wird.
Die Frage, die sich die Bürgerinnen und Bürger von Wolfratshausen stellen müssen, ist eine andere: Was passiert beim nächsten Mal? Beim nächsten Floßunglück, beim nächsten Notfall auf der Isar, beim nächsten Verbrechen, das schnelles Handeln erfordert? Kommt dann wieder Riedl auf dem Fahrrad?
Diese Zeitung fordert: Schluss mit dem Sparkurs auf Kosten der Sicherheit! Wolfratshausen braucht einen funktionierenden Streifenwagen. Und zwar sofort. Nicht „im Rahmen laufender Haushaltsgespräche." Sofort.
Barbara Hansen ist Redakteurin beim Wolfratshauser Kurier. Hinweise an die Redaktion werden vertraulich behandelt.