Münsing — Der Starnberger See, Sehnsuchtsort der Münchner, Sommerfrische der Schönen und Reichen, Kulisse für Postkarten und Immobilienprospekte — und, wie sich einmal mehr herausstellt, Schauplatz eines Tötungsdelikts.

Am frühen Sonntagmorgen wurde in einer Villa am Ostufer, Höhe Ambach, ein 62-jähriger Mann leblos aufgefunden. Der Notruf ging gegen 6:15 Uhr ein, abgesetzt von einer Haushälterin, die den Eigentümer — einen Münchner Geschäftsmann, der das Anwesen als Wochenendsitz nutzte — reglos im Wohnzimmer vorfand. Die Rechtsmedizinerin Dr. Anja Licht, die kurze Zeit später eintraf, stellte Todesumstände fest, die, wie sie in ihrer gewohnt nüchternen Art formulierte, „einer näheren Untersuchung bedürfen."

Polizeiobermeister Franz Hubert und sein Kollege Reimund Girwidz übernahmen die Erstermittlung. Hubert, der die Seevilla mit jenem Blick betrat, den langjährige Beobachter als „er hat schon eine Theorie" deuten, untersuchte den Fundort eingehend. „Interessant", sagte er. Es war sein einziges Wort in der ersten halben Stunde am Tatort. Girwidz, der sich unterdessen beim Nachbarn „routinemäßig" erkundigte und dabei — nach Angaben des Nachbarn — „dreimal nach dem Wert der Immobilie" fragte, trug wenig zur Aufklärung bei.

Die Umstände des Todes deuten nach Informationen dieser Zeitung auf Fremdeinwirkung hin. Details zu den Todesumständen gab die Polizei nicht bekannt. Aus dem Umfeld der Ermittlungen verlautete jedoch, dass der Verstorbene in den Tagen vor seinem Tod unter „erheblichen Schlafstörungen" gelitten habe — was angesichts des Ortes beinahe ironisch anmutet. Der Starnberger See gilt eigentlich als Inbegriff der Ruhe.

Es ist nicht der erste mysteriöse Todesfall am See. Ältere Wolfratshauser erinnern sich an ähnliche Vorfälle in den vergangenen Jahren, die den Starnberger See zur — so die wenig schmeichelhafte Formulierung einer Kollegin — „nassen Flanke des Wolfratshauser Kriminalitätshotspots" gemacht haben. Der Zuständigkeitsbereich der PI Wolfratshausen erstreckt sich über weite Teile des Ostufers, was bedeutet, dass Hubert und seine Kollegen hier regelmäßig ermitteln — zwischen Segelbooten und Sonnenbadenden.

Polizeirätin Kaiser hat die Kriminalpolizei Weilheim informiert, betonte aber, dass die Erstermittlung bei der Polizeiinspektion Wolfratshausen verbleibe. Girwidz wertete dies als „Vertrauensbeweis." Hubert sagte nichts, was bei Hubert allerdings auch als Zustimmung, Ablehnung oder Mittagshunger interpretiert werden kann.

Hinweise nimmt die Polizeiinspektion Wolfratshausen unter (08171) 42 11-0 entgegen.

Die Obduktion wird voraussichtlich am Dienstag durchgeführt. Die Ergebnisse stehen noch aus. Die Redaktion wird berichten.